Risikofaktor Bluthochdruck: Stille Gefahr

In Deutschland haben rund 30 Prozent der Menschen einen zu hohen Blutdruck (Hypertonie). Häufig bleibt die Erkrankung für lange Zeit unentdeckt, ohne Beschwerden oder Symptome. Das macht die Erkrankung gefährlich – schon leicht erhöhte Blutdruckwerte über einen längeren Zeitraum hinweg können wichtige Organe wie das Herz, die Herzkranzgefäße, das Gehirn, die Nieren und die Blutgefäße langfristig schädigen. Etwa 50 Prozent der Herzinfarkte und Schlaganfälle wäre vermeidbar, wenn der Bluthochdruck rechtzeitig erkannt würde.

Digitaler Auftakt der Vortragsreihe „Herztöne“

Prof. Dr. Michael Koziolek, Leitender Oberarzt der Klinik für Nephrologie und Rheumatologie, spricht in der Vortragsreihe „Herztöne“ über Bluthochdruck – die stille Gefahr. Erfahren Sie im Video mehr über Vorsorge, Risikofaktoren und neuartige Therapiemöglichkeiten.

Bluthochdruck – diese Ursachen kommen infrage

In den meisten Fällen ist keine organische Ursache für den Bluthochdruck verantwortlich. Hierbei wird von einer „primären Hypertonie“ gesprochen. Allerdings können langanhaltender Stress, Übergewicht, Bewegungsmangel, hoher Salzkonsum sowie erbliche Veranlagung die Entstehung des Bluthochdrucks begünstigen. Nur bei etwa zehn Prozent der Betroffenen liegt eine sekundäre Hypertonie vor, die von Erkrankungen der Nieren, Nebennieren oder Schilddrüse verursacht wird. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn der Bluthochdruck bereits in jungen Jahren auftritt, besondere Symptome auftreten oder wenn der Blutdruck selbst mit mehr als drei Blutdruckmedikamenten nicht einstellbar ist. In der Regel verbessert sich der erhöhte Blutdruck mit der Behandlung der Ursache.

Bild: hzg/schmidt

Welche Folgen drohen?

Über lange Zeit haben Patient*innen mit erhöhten Blutdruckwerten keine spürbaren Beschwerden. Bleibt der Bluthochdruck jedoch unentdeckt und unbehandelt, können zunächst allgemeine Symptome auftreten, unter anderem Schwindel, Kopfschmerzen, Herzklopfen oder -stolpern, Kurzatmigkeit bei Belastung, Nervosität oder auch Schlafstörungen. Der hohe Druck wirkt sich schließlich auf die Arterien aus. In einem stetigen Prozess versteifen die Gefäßwände, sie verlieren an Elastizität und verengen sich zunehmend. In Folge muss der Herzmuskel ständig gegen einen erhöhten Widerstand arbeiten. Sind die Gefäße verschlossen, kann es zu schweren Organschäden kommen, wie z.B. zu einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen.

Diagnostik: Was die Messwerte aussagen

Besteht der Verdacht auf eine Hypertonie, kann die wiederholte Messung oder eine Langzeitblutdruckmessung die Diagnose bestätigen. Erforderlich sind mindestens drei Blutdruckmessungen an zwei verschiedenen Tagen. Entsprechend den Pump- und Füllungsphasen der beiden Herzhauptkammern werden ein systolischer und ein diastolischer Druck in mmHG (Millimeter Quecksilbersäule) gemessen. Der systolische Druck entspricht dem ersten oberen Wert bei der Blutdruckmessung und misst den Druck, wenn sich der Herzmuskel zusammenzieht und Blut in die Arterien drückt. Der zweite Wert entspricht dem Druck, wenn das Herz entspannt, sich die Herzkammern erweitern und das Blut hineinströmt. Werte, die wiederholt oberhalb des Normalbereiches (120/80 mmHG) liegen, kennzeichnen verschiedene Schweregrade der Hypertonie.

Gesunde Lebensweise kann Blutdruck verbessern

Die wichtigste und wirksamste Therapie gegen Bluthochdruck ist eine gesunde Lebensweise. Allein durch die Anpassung des Alltags kann eine leichte Hypertonie oft schon auf Normalwerte sinken. Bei Patient*innen mit einer schweren Form der Hypertonie kann durch eine Lebensstilanpassung eine reduzierte Medikamenteneinnahme erreicht werden. Sie ist Grundlage jeder medikamentösen Therapie. Im Vordergrund steht regelmäßige Bewegung, die Normalisierung des Körpergewichts sowie eine salzarme Ernährung. Zudem sollte unbedingt auf das Rauchen verzichtet und der Alkoholgenuss reduziert werden. Auch der Abbau von Stress durch einen geordneten Tagesablauf mit Pausen für Erholung und Entspannung ist für Hypertonie-Betroffene wichtig und notwendig.

Bluthochdruck mit Medikamenten senken

Quelle: European Society of Hypertension / European Society of Cardiology

Reichen die nicht-medikamentösen Maßnahmen nicht aus oder leiden Patient*innen an einer schweren Form der Hypertonie, kann der Bluthochdruck mithilfe geeigneter Medikamente behandelt werden. Bei der Wahl der richtigen Medikation achten die behandelnden Ärzt*innen nicht nur auf die Blutdruckwerte, sondern auch auf alle weiteren Faktoren, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen. Dazu gehören weitere Erkrankungen wie Diabetes mellitus, die familiäre Vorbelastung oder bereits vorhandene Beeinträchtigungen der Organe. Der Bluthochdruck ist ein komplexer Mechanismus, der von mehreren, verschiedenen Faktoren reguliert wird: Dazu gehören die Spannung der Blutgefäßwände, der Salz-Wasser-Haushalt des Körpers und das Zusammenwirken mehrerer biochemischer Prozesse. Aktuell werden fünf Wirkstoffe empfohlen, die an unterschiedlichen Stellen in die Blutdruckregulation eingreifen, die in einzelnen Fällen mit Reservemedikamenten kombiniert werden können.

Die meisten Bluthochdruck-Patient*innen benötigen mindestens zwei Wirkstoffe zur Senkung ihres Blutdrucks. Ob ein, zwei oder drei Wirkstoffe notwendig sind und in welcher Dosierung, kann oftmals nicht auf den ersten Blick festgestellt werden. Daher muss die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt zu Beginn abwarten, wie der Körper auf die Medikamente reagiert und die Medikation solange variieren, bis der Blutdruck richtig eingestellt ist. Grundsätzlich kann eine medikamentöse Therapie den Bluthochdruck nicht heilen, sondern nur auf gute Werte einstellen. Daher sollte die medikamentöse Therapie niemals eigenmächtig abgesetzt werden!

Schrittmacher gegen Bluthochdruck

Patient*innen, bei denen sich der Blutdruck nicht durch eine Lebensstiländerung und Medikamente senken lässt, stehen noch zwei weitere, minimalinvasive Therapieverfahren zur Verfügung.

Bei der sogenannten Barorezeptorstimulationstherapie bekommen die Patient*innen einen Bluthochdruckschrittmacher eingesetzt. Der Schrittmacher wird in einem kleinen chirurgischen Eingriff unter dem Schlüsselbein platziert. Durch Sonden sendet das Gerät elektrische Signale an die Nervenzellen der Halsschlagader, den Barorezeptoren. Diese wiederum senden Signale an das Gehirn, die den Blutdruck und die Herzfrequenz normalisieren. Der Schrittmacher lässt sich individuell auf jede Patientin/jeden Patienten einstellen. Neben der Blutdrucksenkung können sich auch bestehende Gefäß- oder Nierenschädigungen teilweise zurückbilden. Das Verfahren ersetzt nicht die Einnahme von Medikamenten, kann sie aber ergänzen und im besten Fall reduzieren. Seit 2011 versorgt die Universitätsmedizin Göttingen als eines von wenigen spezialisierten Zentren in Deutschland entsprechende Patient*innen mit dem Bluthochdruckschrittmacher.

Neue Therapieoption: Stressnerven veröden

Eine zweite Möglichkeit ist die renale Denervation. Bei diesem Verfahren werden gezielt Stressnervenenden verödet, um den Blutdruck zu senken. Die Regulation des Stressnervensystems ist bei Hypertonie-Patient*innen häufig gestört, sodass die Niere vermehrt Stresshormone ausschüttet. Dies äußert sich durch Schlaflosigkeit, innere Unruhe oder Nervosität. Über die Leiste wird ein Katheter in das Nierengefäß eingeführt. An der dünnen Katheterspitze befindet sich eine Elektrode, über die ein hochfrequenter Storm abgegeben werden kann. An verschiedenen Punkten der Gefäßwand erhitzt der Strom das Nierengefäß, wodurch die Nervenfasern verödet und die Niere vom Stressnervensystem entkoppelt wird. Der Eingriff ist risikoarm und verändert nichts an der Funktionalität der Niere. Die medikamentöse Therapie wird nach der Verödung zunächst unverändert weitergeführt. Ist die Blutdrucksenkung im Beobachtungszeitraum ausreichend, kann die Tabletteneinnahme reduziert werden. Dieses Verfahren wird derzeit jedoch nur unter Studienbedingungen angeboten.

Autor

Leitender Oberarzt der Klinik für Nephrologie und Rheumatologie

Prof. Dr. med. Michael Koziolek

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Für Fragen steht Ihnen das Infocenter des Herzzentrums der Universitätsmedizin Göttingen gerne zur Verfügung.

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