Sichere Diagnose: Das Herz im Blick

Noch immer sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die hauptsächliche Ursache für Krankenhausaufenthalte in Deutschland. Mit steigender Lebenserwartung nimmt auch die Zahl der behandlungsbedürftigen chronischen Herzerkrankungen zu. Je früher eine Diagnose erfolgt, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten für Betroffene. Durch die stetige Weiterentwicklung der kardiovaskulären Bildgebung wurden auch die diagnostischen Möglichkeiten in der Praxis kontinuierlich verbessert.

Patientenvortragsreihe „Herztöne“

Prof. Dr. Christian Ritter, Leitender Oberarzt am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der UMG, erläutert im digitalen Vortrag die diagnostischen Möglichkeiten der Herzbildgebung.

Wann kommt welches Verfahren zum Einsatz?

3D-Cinematic-Rendering Bild der kontrastmittelgefüllten Herzkammern und Herzkranzgefäße
3D-Cinematic-Rendering Bild der kontrastmittelgefüllten Herzkammern und Herzkranzgefäße

MRT und CT für die KHK-Diagnostik

Die Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT) des Herzens werden in der Primärdiagnostik der Koronaren Herzkrankheit (KHK) eingesetzt. Patient*innen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für eine KHK oder einem akuten Herzinfarkt sollten direkt einer invasiven Herzkatheter-Untersuchung zugeführt werden. Auch ein positiver CT- bzw. MRT-Befund zieht die invasive Diagnostik und gegebenenfalls Therapie nach sich.

Kardio-MRT zur Funktionsanalyse

Neben der KHK-Diagnostik ist die Kardio-MRT heute der Goldstandard für die Funktionsanalyse der großen Herzkammern. Die Herzklappen können mittels Flussmessungen bezüglich ihres Enge- und Undichtigkeitsgrades beurteilt und quantifiziert werden, zudem kann die Klappenöffnungsfläche sicher bestimmt werden. Die Durchblutung des Herzmuskels kann mit Hilfe der Analyse des Durchflusses (Perfusionsanalyse) beurteilt werden. Dies ist sowohl in Ruhe als auch unter medikamentöser Belastung möglich. Die damit mögliche Bestimmung der sogenannten Perfusionsreserve des Herzmuskels dient der Diagnostik und Bewertung relevanter Engen der Herzkranzgefäße.

Der klinische Durchbruch der Kardio-MRT erfolgte mit Einführung der kontrastverstärkten MRT des Herzmuskels (sogenanntes „Spätes Kontrastmittel Enhancement“, kurz „LGE“). Das LGE beschreibt das Phänomen einer verzögerten Kontrastmittelanreicherung im pathologisch veränderten Herzmuskelgewebe und wird in der Regel 10 bis 15 Minuten nach Kontrastmittelgabe gemessen. Mit dieser Bildgebung lassen sich Bereiche darstellen, die von einem Infarkt betroffen sind. Auch bei entzündlichen Veränderungen und Gewebeveränderungen des Herzmuskels ist das LGE von zentraler diagnostischer Bedeutung. Verfahren für die quantitative Beurteilung des Herzmuskelgewebes bezüglich von Ödemen (Wassereinlagerungen), Fibrose (bindegewebigem Umbau) sowie spezifischen Ablagerungen (z.B. Eisen, Amyloid) haben in den letzten Jahren zugenommen, wurden bereits in entsprechenden Veröffentlichungen aufgegriffen und werden derzeit intensiv wissenschaftlich weiterentwickelt.

Startschuss für die Herzbildgebung

Die Einführung der Mehrschicht-CT (MSCT) im Jahr 1999 gab den Startschuss für die CT-Herzbildgebung. Die damals mögliche zeitliche Auflösung betrug 250 Millisekunden (ms) und ermöglichte vorwiegend die Darstellung und Quantifizierung von Kalk in den Herzkranzgefäßen. Die CT des Herzens hat seit den 1990er Jahren allerdings einen enormen technischen Fortschritt erlebt. Insbesondere seit den CT-Geräten mit mindestens 64 Schichten wurde die Methode zur Routinediagnostik.

Modernste CT-Geräte erreichen heute eine zeitliche Auflösung von bis zu 50ms bei einer Schichtdicke von bis zu 0,5mm. Eine Untersuchung des ganzen Herzens ist so in wenigen Sekunden möglich. Weiterhin konnte die Strahlenexposition deutlich reduziert werden. Es können verkalkte und nicht verkalkte Ablagerungen der Koronararterien, Bypassgefäße und Gefäßstützen (Stents) dargestellt und deren Anzahl bestimmt werden. Relevante Engstellen können mit Hilfe von speziellen Nachverarbeitungsprogrammen sicher diagnostiziert oder mit einem hohen negativen Vorhersagewert ausgeschlossen werden. Die Kardio-CT liefert auch wichtige Informationen für die interventionelle Kardiologie und Kardiochirurgie. Diese werden beispielsweise im Rahmen von Klappenersatz- oder Klappenreparatur-Prozeduren sowie elektrophysiologischen Untersuchungen, benötigt.

Interdisziplinärer Austausch im Herzzentrum

In täglichen interdisziplinären Konferenzen wird die erfolgte Herzbildgebung bei Patient*innen des Herzzentrums als wichtiger Bestandteil der Gesamtdiagnostik gemeinsam diskutiert und abschließend bewertet. Nur so können durch die kardiale MRT und CT relevante Zusatzinformationen gewonnen und den Patient*innen möglicherweise invasive Diagnoseverfahren erspart werden.     

An der UMG gibt es in der Diagnostischen Radiologie mit einem 3 Tesla MRT und einem Dual-Source CT der jeweils modernsten Gerätegeneration sowie einem hochmotivierten und zertifiziertem MTRA- sowie Ärzt*innenteam ideale Voraussetzungen für eine schnelle, aussagekräftige und sichere Herz-Diagnostik. Das Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie ist zertifiziertes DRG-Zentrum für „Kardiovaskuläre Bildgebung“. Mehrere Fachärzt*innen sind darüber hinaus auch auf europäischer sowie internationaler Ebene zertifizierte Ausbilder in diesem Schwerpunkt.

Über eine enge Kooperation mit den hausinternen Ambulanzen sowie den niedergelassenen Kolleg*innen ermöglichen wir weitgehend zeitnahe Termine und klären eventuelle Probleme bereits im Vorfeld ab. Seit Juni 2020 haben wir mit Frau Godehardt eine Ansprechpartnerin im Herzzentrum, die alle Anmeldungen zur radiologischen Bildgebung und eventuelle Rückfragen aus einer Hand bedienen kann.  

Durch unsere wissenschaftlichen Kooperationen ist es möglich, Innovationen auf dem Gebiet der Kardiodiagnostik innerhalb von Studien zu testen und zu beurteilen, sowie deren Vorteile frühzeitig in die klinische Routine zu überführen. Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Kardiovaskuläre Bildgebung“ besteht aus Mitgliedern des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, der Klinik für Kardiologie und Pneumologie, der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin - Pädiatrische Kardiologie, Intensivmedizin und Pneumologie sowie der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. rer. nat. Martin Uecker. Ein zentraler Forschungsschwerpunkt ist hier der Einsatz der sogenannten „Echtzeit-MRT“ in der Bildgebung des Herzen, beispielsweise zur Bildgebung bei Herzrhythmusstörungen, bei der Fahrradbelastungs-Untersuchung oder der MR-gesteuerten Probengewinnung aus der linken Herzkammer.

Autor

Leitender Oberarzt

Prof. Dr. Christian Ritter, MHBA

Kontaktinformationen

Sekretariat


  • W2-Professur für Kardiovaskuläre Bildgebung

    Leiter der Serviceeinheit „Kardiovaskuläre MRT“

Weitere Informationen

Für Fragen steht Ihnen das Infocenter des Herzzentrums der Universitätsmedizin Göttingen gerne zur Verfügung.

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