Vernetzte Gesundheitsdaten für bessere Versorgung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind sehr unterschiedlich – haben allerdings auch vieles gemeinsam: Je früher sie erkannt werden, desto besser lassen sie sich behandeln. Zudem erfordern sie eine dauerhafte Versorgung. Der Aufenthalt im Krankenhaus ist dabei oft nur ein Teil des gesamten Behandlungsprozesses. Um eine Krankheit gut zu verstehen, richtig zu diagnostizieren und bestmöglich zu behandeln, sind Gesundheitsdaten aus allen Phasen der Behandlung wichtig. Daher ist eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten in der regionalen Gesundheitsversorgung essentiell für den Therapieerfolg.
Der Digitale Fortschrittshub Gesundheit (DigiHub) CAEHR – ein Forschungsverbund mit Projektbeteiligten von vier weiteren deutschen Standorten sowie regionalen Gesundheitseinrichtungen unter Koordination der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) – hat das Ziel, regionale Gesundheitsdaten aus allen Behandlungsphasen von Patient*innen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen – von Arztpraxen über therapeutische Anwendungen bis hin zu stationären Krankenhausaufenthalten und Rehabilitationsmaßnahmen – stärker miteinander zu vernetzen. Informationen zum Krankheitsverlauf sollen lückenlos verfügbar werden, um den Betroffenen zeitnah die bestmögliche und individuell angepasste Behandlung zukommen zu lassen und diese rasch zu optimieren. CAEHR ist zudem Teil einer Initiative mit sechs weiteren „DigiHubs“. In einem gemeinsamen Forschungsvorhaben werden neben dem CAEHR-Schwerpunkt auf regionalen Gesundheitsdaten von Herz-Kreislauf-Patient*innen, auch Gesundheitsdaten zu anderen Krankheitsbildern, Patient*innengruppen oder Regionen durch die anderen „DigiHubs“ erhoben. Auf diese Weise werden umfassende Datensätze für die Forschung generiert und digitale Schnittstellen in der Versorgung optimiert.
CAEHR („Cardiovascular diseases – Enhancing Healthcare through cross-sectoral Routine data integration“; zu Deutsch: Herz-Kreislauf-Erkrankungen – Verbesserung der Gesundheitsversorgung durch sektorübergreifende Integration von Routinedaten) wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit insgesamt mehr als zehn Millionen Euro über einen Zeitraum von vier Jahren gefördert. Das Forschungsvorhaben ist am 1. August 2025 gestartet. Am 2. Juli 2026 trafen sich die Verbundpartner*innen erstmals in Präsenz im Heart & Brain Center Göttingen (HBCG), um die bisherigen Ergebnisse vorzustellen und zu diskutieren.
„Mit CAEHR schaffen wir die Grundlage für eine bessere Versorgung von Herz-Kreislauf-Patient*innen – durch intelligente Nutzung von Routinedaten und modernen digitalen Schnittstellen. Dabei beziehen wir gezielt regionale Gesundheitseinrichtungen mit ein, um die Versorgung vor Ort nachhaltig zu verbessern. Unser Ziel: Mehr Zusammenarbeit, mehr Nutzen und mehr Qualität für alle Beteiligten“, sagt Prof. Dr. Dagmar Krefting, Direktorin des Instituts für Medizinische Information der UMG und Koordinatorin des Verbundprojekts.
Wichtige Gesundheitsdaten schnell und lückenlos verfügbar machen
CAEHR entwickelt und überprüft die digitalen Lösungen anhand von zwei Anwendungsfällen. Die UMG ist an beiden Anwendungsfällen aktiv beteiligt.
Im Anwendungsfall „Notfallversorgung“, sollen bei Verdacht auf einen Schlaganfall wichtige Gesundheitsdaten direkt im Rettungswagen verfügbar sein, und schnellstmöglich an das behandelnde Krankenhaus übermittelt werden, damit sich die Ärzt*innen im Klinikum besser vorbereiten und sofort mit der passenden Behandlung beginnen können. Anhand eines Vorher-/Nachher-Vergleichs wird anschließend überprüft, ob durch die bessere Datenverfügbarkeit beispielsweise zu kürzeren Reaktionszeiten oder weniger Komplikationen führt.
Im gemeinsamen Anwendungsfall der DigiHub-Initiative „Patient Journey“, zu Deutsch „Patient*innenreise“, geht es um die langfristige Begleitung von Patient*innen, die eine Krankenhausbehandlung benötigen. Ziel ist es, Gesundheitsdaten zu verschiedenen Erkrankungen, Patient*innengruppen und aus unterschiedlichen Regionen von der Diagnose über die Behandlung in einer Akutklinik bis zur Nachsorge zu erheben und gemeinsam zu nutzen. Die möglichst lückenlosen Informationen zum Gesundheitszustand einzelner Patient*innen unterstützen in jeder Behandlungsphase Entscheidungen zur medizinischen, aber auch pflegerischen Versorgung. Zum Beispiel können so Risikopatient*innen identifiziert werden, die von einer gezielten Vorbereitung für die Krankenhausbehandlung profitieren.
Von der UMG wird dafür ein digitales Portalsystem zum sicheren Austausch wichtiger Gesundheitsinformationen zwischen verschiedenen medizinischen Einrichtungen wie Arztpraxen, Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen mitentwickelt und bereitgestellt. Zur sicheren und gesetzeskonformen Speicherung und Nutzung der Gesundheitsdaten gehören neben den technischen Maßnahmen insbesondere auch die digitale Kompetenz aller Beteiligten. Testsysteme und Schulungsmaterialien sollen die Nutzer*innen der digitalen Lösungen auf den richtigen Umgang mit den Daten in der Versorgung und Forschung vorbereiten. Damit erfolgreiche Lösungen auch über den Projektzeitraum genutzt und weiterentwickelt werden können, ist zudem der Aufbau einer gemeinnützigen Organisation geplant.
Projektpartner
Neben dem Institut für Medizinische Informatik sind seitens der UMG unter anderem die Zentrale Notaufnahme, die Klinik für Neurologie, die Klinik für Kardiologie und Pneumologie, das Institut für Allgemeinmedizin sowie der Geschäftsbereich Informationstechnologie beteiligt. Weiterhin sind am Standort Göttingen die Universität, die Stadt und die Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung mbH Göttingen (GWDG) in das Forschungsvorhaben involviert.
Externe Partner sind das Universitätsklinikum Würzburg, das die Co-Koordination des Projekts innehat, die Julius-Maximilians-Universität Würzburg, die Medizinische Hochschule Hannover (MHH), die Charité – Universitätsmedizin Berlin, die Hochschule Osnabrück sowie regionale Gesundheitseinrichtungen.
Ansprechpartnerin Fachbereich:
Prof. Dr. Dagmar Krefting, Institut für Medizinische Informatik, Telefon 0551 / 39-61500, mi.leitung(at)med.uni-goettingen.de, https://medizininformatik.umg.eu
Pressekontakt:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
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