Internationale Herzrhythmus-Expert*innen diskutieren die Zukunft der Defibrillatortherapie in Göttingen

EU-CERT-ICD-Symposium in der Historischen Sternwarte: Internationales Forschungskonsortium diskutiert neue Erkenntnisse zur Prävention des plötzlichen Herztodes und zur individualisierten Risikobewertung bei der Implantation von Defibrillatoren.

Wie lässt sich das Risiko für einen plötzlichen Herztod künftig präziser vorhersagen? Welche Patient*innen profitieren tatsächlich von einem implantierbaren Kardioverter-Defibrillator (ICD)? Und welche Rolle können Künstliche Intelligenz und neue elektrokardiographische Analyseverfahren dabei spielen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des internationalen EU-CERT-ICD-Symposiums, das am 30. Oktober 2026 in der Historischen Sternwarte in Göttingen stattfand.

Das internationale Symposium wurde von Prof. Dr. Constanze Schmidt, Direktorin der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der Universitätsmedizin Göttingen, und Prof. Dr. Markus Zabel, Leiter des EU-Konsortiums eröffnet, die die internationalen Gäste herzlich willkommen hießen und die Bedeutung der langjährigen wissenschaftlichen Zusammenarbeit im EU-CERT-ICD-Konsortium für die Weiterentwicklung einer individualisierten Defibrillatortherapie hervorhoben. Zu der wissenschaftlichen Veranstaltung kamen international renommierte Expert*innen aus Europa und Nordamerika zusammen, die seit vielen Jahren im Rahmen des europäischen Forschungsverbundes EU-CERT-ICD (European Comparative Effectiveness Research to Assess the Use of Primary Prophylactic Implantable Cardioverter-Defibrillators) gemeinsam an der Verbesserung der Risikostratifizierung und Therapie von Patient*innen mit einem erhöhten Risiko für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen arbeiten.

Wer profitiert wirklich von einem implantierbaren Defibrillator?
Implantierbare Defibrillatoren können lebensbedrohliche ventrikuläre Herzrhythmusstörungen erkennen und behandeln und dadurch den plötzlichen Herztod verhindern. Allerdings profitieren nicht alle Patient*innen gleichermaßen von dieser Therapie. Die präzisere Identifikation derjenigen, bei denen ein ICD einen besonders großen Nutzen erwarten lässt, ist deshalb eine zentrale Herausforderung der modernen Kardiologie. Das EU-CERT-ICD-Konsortium verfolgt seit vielen Jahren das Ziel, die wissenschaftlichen Grundlagen für eine stärker individualisierte ICD-Therapie zu verbessern. Hierzu werden umfangreiche klinische Daten mit modernen Methoden der Elektrokardiographie, statistischen Risikomodellen und zunehmend auch Verfahren der Künstlichen Intelligenz verknüpft. Eröffnet wurde das Symposium durch Prof. Dr. Constanze Schmidt, Direktorin der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), und Prof. Dr. Markus Zabel, der die EU-CERT-ICD-Forschungsaktivitäten am Standort Göttingen maßgeblich prägt.

Internationale Expertise und innovative wissenschaftliche Ansätze
Einen besonderen Höhepunkt bildete der wissenschaftliche Austausch mit international führenden Expert*innen, darunter Prof. Alfred Buxton aus Boston, Prof. Derek Exner aus Calgary und Prof. Michael R. Franz aus Washington. Sie diskutierten aktuelle Entwicklungen der primärpräventiven ICD-Therapie sowie neue Möglichkeiten, das Risiko für den plötzlichen Herztod differenzierter zu erfassen. In einer Keynote stellte Prof. Gerhard Hindricks aus Berlin neue Erkenntnisse zur ICD-Therapie in der Primärprävention vor. Weitere wissenschaftliche Beiträge beschäftigten sich mit innovativen EKG-basierten Risikomarkern, der Analyse der ventrikulären Repolarisation, Herzfrequenzvariabilität und Herzfrequenzturbulenz sowie der Bedeutung einer wiederholten Risikobewertung im Krankheitsverlauf. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Einsatz Künstlicher Intelligenz zur Vorhersage lebensbedrohlicher Herzrhythmusstörungen. Dabei wurde diskutiert, wie sich komplexe elektrokardiographische Signale und umfangreiche klinische Datensätze nutzen lassen, um individuelle Risiken künftig zuverlässiger einzuschätzen.

Göttingen als wichtiger Standort internationaler Herzrhythmusforschung
Das Symposium unterstrich die langjährige internationale Vernetzung der Göttinger Herzrhythmusforschung. Im EU-CERT-ICD-Konsortium arbeiten Wissenschaftler*innen verschiedener europäischer und nordamerikanischer Einrichtungen eng zusammen, um neue wissenschaftliche Erkenntnisse in verbesserte klinische Entscheidungsstrategien zu überführen.

„Die ICD-Therapie ist ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen Behandlung von Patient*innen mit einem erhöhten Risiko für den plötzlichen Herztod. Gleichzeitig müssen wir noch besser verstehen, wer von dieser Therapie besonders profitiert. Die langjährige internationale Zusammenarbeit im EU-CERT-ICD-Konsortium bietet hierfür eine außergewöhnlich wertvolle wissenschaftliche Grundlage“, erklärt Prof. Schmidt.

Auch Prof. Zabel betont die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit: „Mit EU-CERT-ICD haben wir über viele Jahre eine umfangreiche wissenschaftliche Basis geschaffen, um die Risikostratifizierung bei Patient*innen mit Herzinsuffizienz und einem erhöhten Risiko für ventrikuläre Arrhythmien weiterzuentwickeln. Die Verbindung von klinischer Forschung, innovativen EKG-Analysen und modernen datenbasierten Verfahren eröffnet dabei wichtige neue Perspektiven.“

Von der wissenschaftlichen Erkenntnis zur personalisierten Therapie
Neben der Diskussion aktueller Studienergebnisse diente das Symposium auch der Weiterentwicklung gemeinsamer Forschungsprojekte und der Planung zukünftiger wissenschaftlicher Analysen. Im Mittelpunkt steht dabei eine zentrale Vision: Die Entscheidung für eine ICD-Implantation soll künftig noch stärker auf dem individuellen Risikoprofil und dem zu erwartenden therapeutischen Nutzen basieren.

Das internationale Treffen in der Historischen Sternwarte bot hierfür einen besonderen Rahmen. Die intensive wissenschaftliche Diskussion und der persönliche Austausch verdeutlichten, welchen Stellenwert langfristige internationale Forschungskooperationen für die Weiterentwicklung einer evidenzbasierten und personalisierten Herzmedizin haben. Mit dem EU-CERT-ICD-Symposium setzte die Universitätsmedizin Göttingen zugleich ein weiteres Zeichen für ihre internationale Sichtbarkeit in der klinischen und translationalen Herzrhythmusforschung.

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