| Presseinformation

Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der UMG unter neuer Leitung

Prof. Dr. Bernd Niemann ist seit 1. Oktober 2026 Universitätsprofessor für Herzchirurgie und neuer Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).

Bild zur Presseinformation "Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der UMG unter neuer Leitung"
Prof. Dr. Bernd Niemann, Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Foto: umg/samer al mhethawi

Prof. Dr. Bernd Niemann ist seit dem 1. Oktober 2026 Universitätsprofessor für Herzchirurgie und neuer Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Er folgt auf Prof. Dr. Ingo Kutschka, der die Leitung der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie von 2017 bis 2025 innehatte. 

In seiner neuen Position möchte Prof. Niemann die Herzchirurgie an der UMG zu einer zukunftsorientierten und modernen Herzchirurgie nach höchsten Qualitätsstandards weiter ausbauen. Neben einer fachübergreifenden Zusammenarbeit steht dabei die translationale Forschung – die Überführung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die klinische Praxis – im Mittelpunkt seiner Bestrebungen. „Ich möchte die traditionellen Grenzen der Medizin, die von Fachdisziplinen und verschiedenen Berufsfeldern geprägt sind, im Sinne eines teambildenden Ansatzes überwinden und Kompetenzen für eine kooperierende, fortschrittliche Medizin fördern“, sagt Prof. Niemann. „Mein Ziel ist es, die jungen Ärzt*innen für die Herz-Kreislauf-Medizin, insbesondere für die Herzchirurgie, zu begeistern und sie zu Expert*innen ihres Fachs auszubilden. Sie sollen dabei die Zusammenarbeit mit Kolleg*innen anderer Fachrichtungen von Anfang an erlernen. Ich möchte sie ermutigen, offen für neue Methoden und innovative Konzepte zu sein und diese bei der Versorgung der Patient*innen anzuwenden. Eine ganzheitliche und individualisierte Patient*innenversorgung auf höchstem Qualitätsniveau ist mein Verständnis von kardialer Spitzenmedizin, und genau diese möchte ich langfristig im Herzzentrum der UMG sicherstellen und kontinuierlich weiterentwickeln“, so Prof. Niemann.

Wissenschaftliche und klinische Schwerpunkte
Prof. Niemann fokussiert bei seiner Forschung auf die molekularen Mechanismen des Herzstoffwechsels mit dem Ziel, die gewonnenen Erkenntnisse in die chirurgische Therapie zu überführen oder diese in Anschlussbehandlungen nach einer Operation einfließen zu lassen. Er untersucht unter anderem die gestörte Energiegewinnung in den Herzmuskelzellen bei Herzschwäche, Wechselwirkungen zwischen dem Zellstoffwechsel und entzündlichen Prozessen im Gewebe, die durch bestimmte Signalmoleküle im Fettgewebe ausgelöst werden und die Herzfunktion beeinflussen sowie die Folgen des Alterungsprozesses auf die Zellen. Er untersucht zudem die Auswirkungen operativer Eingriffe auf den Zellstoffwechsel. Insbesondere Eingriffe wie ein Herzklappenersatz, ein Bypass – eine chirurgisch angelegte Umleitung im Blutkreislauf, um eine verengte oder verschlossene Stelle zu umgehen – oder der Anschluss an eine Herz-Lungen-Maschine zur Sauerstoffanreicherung des Blutes. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Forschung ist die Weiterentwicklung kreislaufunterstützender Therapien, zum Beispiel die Kunstherztherapie. Dies ist eine elektromechanische Pumpe, die bei fortgeschrittener Herzschwäche implantiert wird. Sein Ziel ist es, die herzchirurgische Versorgung mit neuen Technologien zu optimieren, krankheitsverursachende Entzündungen nachhaltig zu verringern, die Genesung nach operativen Eingriffen zu fördern sowie die Lebensqualität der Patient*innen langfristig zu verbessern. Eine Intensivtherapie insbesondere älterer und übergewichtiger Patient*innen steht dabei ebenfalls im Vordergrund, um die Auswirkungen von Übergewicht, Diabetes und Ernährung auf die Herzgesundheit besser zu verstehen. Künstliche Intelligenz wird bei den Forschungen genutzt, um Vorhersagen für das Risiko eines Organversagens und eine erneute Krankenhausaufnahme treffen zu können. 

In der klinischen Versorgung liegt sein Schwerpunkt auf der Herzchirurgie, insbesondere Operationen mit Herz-Lungen-Maschine. Er ist spezialisiert auf minimalinvasive Eingriffe, die durch die kleinen Schnitte, im Vergleich zu offenen Operationen, schonender für das umliegende Gewebe sind, weniger Schmerzen verursachen und eine schnellere Genesung mit sich bringen. Weitere Schwerpunkte von Prof. Niemann sind die rekonstruktive Klappenchirurgie, bei der die erkrankte Herzklappe repariert und nicht ersetzt wird, sowie chirurgische Verfahren zur Behandlung von Herzschwäche, verengten Blutgefäßen und Herzrhythmusstörungen mit neuesten Technologien und Techniken, wie robotergestützte oder endoskopische Methoden.

Lehre
Prof. Niemann verfügt über 25 Jahre Erfahrung in der Lehre. Dabei setzt er auf eine frühzeitige Einbindung der Studierenden in die wissenschaftliche Arbeit und translationale Projekte, um die Überführung von Forschungserkenntnissen in die klinische Anwendung zu erlernen. Der Austausch mit anderen Fachdisziplinen ist ihm in der medizinischen Ausbildung ebenso wichtig, wie ein hoher Praxisanteil, um das theoretische Wissen in Notfallsituationen sicher anwenden zu können. Trainingsmodule vermitteln und trainieren grundlegende Operationstechniken. Neben der klassischen Wundversorgung und dem Nahttraining setzt er Modelle ein, damit die Studierenden häufige Eingriffe im Bereich der Herz-, Thoraxchirurgie wie zum Beispiel Thoraxdrainagen üben können, die dazu dient, Luft, Blut oder Flüssigkeit aus dem Raum zwischen Lunge und Rippenfell abzuleiten. Zur Vermittlung der Behandlungskompetenz wendet er die problemorientierte Lehre an, bei der die Studierenden in Kleingruppen selbständig komplexe Probleme lösen müssen. Die Ausbildung von Studierenden zu Tutor*innen, die ihre Kommiliton*innen unterrichten, ist ihm wichtig, um bei den Studierenden die Begeisterung für die medizinische Lehre zu wecken. Die Schulung in der Anwendung zukunftsweisender digitaler Techniken in der medizinischen Diagnostik und Therapie runden sein Lehrkonzept ab.

Zur Person
Bernd Niemann, 1975 in Georgsmarienhütte geboren, studierte von 1995 bis 2001 Humanmedizin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und promovierte zum Thema „Proarteriosklerotische Wechselwirkung von Lipoproteinen und Endothelinsystem in humanen Endothelzellen“ bei Prof. Dr. Jürgen Holtz. Anschließend arbeitete er an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zunächst als Arzt im Praktikum für 13 Monate in der Klinik für Innere Medizin III, Kardiologie und Angiologie sowie für fünf Monate in der Klinik und Poliklinik für Herz- und Thoraxchirurgie, in der er bis Ende 2009 als Assistenzarzt und parallel als Junior-Arbeitsgruppenleiter am Institut für Pathophysiologie tätig war. Im Jahr 2010 wechselte er nach Gießen an das Universitätsklinikum Gießen und Marburg, bis 2011 zunächst als Assistenzarzt in der Klinik für Herz-, Kinderherz- und Gefäßchirurgie, wo er seinen Facharzt für Herzchirurgie absolvierte. Anschließend arbeitete er bis 2015 in der Klinik als Oberarzt und erlangte 2013 die Zusatzbezeichnung Intensivmedizin, habilitierte sich im selben Jahr zum Thema „Beeinflussung kardialer Alterungsprozesse durch Adipositas und kalorische Restriktion“ und erhielt die Lehrbefugnis (Venia legendi) für Herzchirurgie. Von 2015 bis 2026 war er leitender Oberarzt für Herzchirurgie und Intensivmedizin der Klinik. Im Jahr 2022 verlieh ihm die Justus-Liebig-Universität Gießen eine außerplanmäßige Professur für Herzchirurgie. Seit 1. Oktober 2026 ist Prof. Bernd Niemann Universitätsprofessor für Herzchirurgie und neuer Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).

Pressekontakt:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Leitung Unternehmenskommunikation
Lena Bösch 
Von-Siebold-Str. 3, 37075 Göttingen
Telefon 0551 / 39-61020
Fax 0551 / 39-61023
presse.medizin(at)med.uni-goettingen.de
www.umg.eu

Folgen Sie uns