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Öffentliches Abschiedssymposium für Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen

Symposium zum Abschied von Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Öffentliche Veranstaltung für Interessierte am Freitag, 9. Oktober 2026, 14:00 bis 18:00 Uhr in der Aula der Universität Göttingen, Wilhelmsplatz 1, 37073 Göttingen.

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Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Foto: umg/swen pförtner

Prof. Dr. Herrmann-Lingen ist seit 2007 Universitätsprofessor für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Im Rahmen eines Festsymposiums zur Würdigung seines Lebenswerks verabschiedet er sich zu Beginn des Wintersemesters 2026 in den Ruhestand. Durch seine wissenschaftliche Arbeit, sein klinisches Wirken und sein Engagement hat er maßgeblich zur Weiterentwicklung der Psychokardiologie beigetragen, die sich mit der Behandlung psychisch belasteter Herzpatient*innen befasst, und sie in der modernen Medizin nachhaltig verankert. Er war im Jahr 1997 Mitbegründer der ersten deutschen psychokardiologischen Arbeitsgruppe „Psychosomatik in der Kardiologie“ des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM) und Mitherausgeber des ersten Lehrbuchs für Psychokardiologie, das zuletzt 2026 bereits in der vierten Auflage erschienen ist. Seine Arbeit hat sowohl die Psychokardiologie als auch die Psychosomatische Medizin und Psychotherapie auf nationaler und internationaler Ebene geprägt. Zahlreiche Kardiolog*innen und Psycholog*innen hat Herrmann-Lingen als Hochschullehrer in diesem Bereich ausgebildet und weiterqualifiziert. 

In seinem Vortrag „Von der psychosomatischen zur biopsychosozialen Medizin – Rückblick und Perspektiven“ spricht Prof. Herrmann-Lingen über die Entwicklung der Psychosomatik, die sich mit den Wechselwirkungen von Körper und Psyche beschäftigt, und ihrer Konzepte in Forschung, Klinik und öffentlicher Wahrnehmung der letzten Jahrzehnte und darüber hinaus. Hierauf aufbauend skizziert er mögliche Entwicklungs­perspektiven des Faches und einer Medizin im Ganzen, die zunehmend psychische und soziale Aspekte von Gesundheit und Krankheit in den Blick nimmt. Prof. Dr. Wolfgang Brück, Dekan und Sprecher des Vorstandes der UMG, hält die Laudatio zu seinen Ehren. In weiteren Vorträgen referieren renommierte Psychosomatiker*innen aus ganz Deutschland über die zentralen Entwicklungen der Psychosomatik sowie des daraus hervorgegangenen Arbeitsfelds der Psychokardiologie in Forschung und Krankenversorgung. 

Öffentliches Abschiedssymposium 
Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG)
Freitag, 9. Oktober 2026, 14:00 bis 18:00 Uhr
Aula der Universität Göttingen, Wilhelmsplatz 1, 37073 Göttingen

Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen, Jahrgang 1958, studierte von 1980 bis 1987 Humanmedizin in Berlin und Göttingen sowie einzelne Semester Physik in München und Soziologie in Göttingen. Von 1987 bis 1994 forschte er bereits in der Universitätsmedizin Göttingen als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der damaligen Abteilung Kardiologie und Pneumologie des Zentrums für Innere Medizin unter Leitung von Prof. Dr. Heinrich Kreuzer. Während dieser Zeit promovierte er mit Auszeichnung zum Thema „Psychosoziales und anamnestisches Screening kardiologischer Patienten mittels Fragebogen als Bestandteil nichtinvasiver Diagnostik der koronaren Herzerkrankung“, absolvierte eine berufsbegleitende Grundausbildung in klientenzentrierter Gesprächsführung und erlangte die Anerkennung zum Facharzt für Innere Medizin. Nach seinem Wechsel in die Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrich Rüger erwarb er zunächst 1997 die Zusatzbezeichnung Psychotherapie und arbeitete anschließend als Oberarzt im Bereich der Internistischen Psychosomatik. Er habilitierte sich 1998 zum Thema „Prävalenz und klinische Relevanz von Angst und Depressivität bei internistischen Patienten“ und erhielt die Lehrbefugnis für „Psychosomatische Medizin und Psychotherapie“. Es folgten die Anerkennung zum Facharzt für Psychotherapeutische Medizin im Jahr 2000 und die Verleihung des Titels eines außerplanmäßigen Professors in 2003. Im Jahr 2004 erhielt er den Ruf auf die neu eingerichtete und deutschlandweit erste Professur für „Psychokardiologie“ am damaligen Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen und wechselte im Mai 2005 an die Philipps-Universität Marburg auf eine W2-Professur mit Leitung der Abteilung für Psychosomatische Medizin. 2007 folgte er dem Ruf zurück nach Göttingen auf die W3-Professur für „Psychosomatische Medizin und Psychotherapie“, wurde Direktor der Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (heute: Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie) und leitete über mehrere Jahre das Zentrum für Psychosoziale Medizin der UMG. Seit 2007 ist er Mitglied der Zentrumsleitung im Herzzentrum Göttingen. 

Forschungsschwerpunkte
Im Bereich der Psychokardiologie konnte Prof. Herrmann-Lingen in den vergangenen Jahrzehnten zeigen, dass die Wechselwirkungen zwischen Herz und Psyche bei Entstehung, Bewältigung und Verlauf von Herz-Kreislauferkrankungen eine wichtige Rolle spielen. So konnte er gemeinsam mit Kolleg*innen in mehreren Arbeiten sowie einer bereits 2004 erschienenen und mittlerweile über tausendmal zitierten Studie zeigen, dass eine begleitende Depression bei Patient*innen mit Herzkrankheit die Lebenserwartung deutlich verkürzt. Auch seine Arbeiten zur raschen Erkennung psychischer Symptome bei körperlich Kranken wurden international vielfach zitiert und haben Eingang in die medizinische Praxis gefunden. Die Empfehlung psychische Faktoren wie beispielsweise Stress oder Depressionen bei Herzpatient*innen zu beachten, wurde in zahlreiche ärztliche Behandlungsleitlinien aufgenommen. 

In aktuellen nationalen und internationalen Kooperationsstudien untersucht Prof. Herrmann-Lingen unter anderem, wie sich Gesundheitsverhalten und psychische Belastungen, zum Beispiel Stress, Depressivität und Angst, auf Herzkrankheiten auswirken und wie sie durch psychotherapeutische Maßnahmen oder eine verbesserte Kooperation im fachübergreifenden und multiprofessionellen Team behandelt werden können. Die TEACH-Studie hat gezeigt, dass eine regelmäßige telefonische Betreuung ambulanter Herzpatient*innen durch speziell geschulte Pflegekräfte zu einer deutlichen Besserung von psychischem Befinden und Lebensqualität führte. Die Pflegekräfte waren dazu im regelmäßigen Austausch mit qualifizierten Kardiolog*innen und Psychosomatiker*innen und wurden von ihnen angeleitet. In einer Erweiterung dieses Behandlungsansatzes auf Patient*innen, die gleichzeitig an Herzschwäche sowie mindestens zwei weiteren körperlichen Erkrankungen und einer psychischen Belastung leiden, wurde unter seiner Leitung der Erfolg dieser Behandlung im internationalen Studienverbund ESCAPE geprüft. Die Ergebnisse zeigen, dass sich wie in der TEACH-Studie die herzbezogene Lebensqualität, das psychische Befinden und die Behandlungszufriedenheit gegenüber der Kontrollgruppe wesentlich gebessert hat. Parallel wird im Rahmen des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) untersucht, ob die Nutzung einer App und mobiler Messgeräte zur Erfassung von Gesundheitsdaten und psychischem Befinden die telefonische Betreuung der Patient*innen unterstützen kann. Ziel der Studien ist es, ganzheitliche und fachübergreifende Behandlungskonzepte zu entwickeln, um die Lebensqualität der Herzpatient*innen nachhaltig zu verbessern. Im Rahmen der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsgruppe 5022 wird dabei das in der Medizin gebräuchliche Konzept der Lebensqualität hinterfragt und untersucht, was Patient*innen mit Herzkrankheiten unter einem guten Leben verstehen. So soll ein breiteres Verständnis von Lebensqualität gewonnen und für die zukünftige Versorgung von Herzpatient*innen nutzbar gemacht werden.

Prof. Herrmann-Lingen erhielt im Jahr 2017 den Roemer-Forschungspreis der Hans-Roemer-Stiftung und des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin. Er ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung, war von 2016 bis 2017 als erster Europäer Präsident der American Psychosomatic Society (APS), einer traditionsreichen internationalen Fachgesellschaft und von 2018 bis 2021 Präsident des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin. Er war langjähriges Präsidiumsmitglied der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF). Mehr als 220 begutachtete Publikationen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften, mehrere Buchpublikationen und über 50 Buchbeiträge sowie die Herausgabe des mittlerweile in vierter Auflage erschienenen Standardwerks zur Psychokardiologie sowie die Mitwirkung an über 10 Leitlinien und Positionspapieren belegen seine wissenschaftliche Expertise.

Klinische Versorgung
Prof. Herrmann-Lingen verfügt als Facharzt für Innere Medizin sowie Psychosomatische Medizin und Psychotherapie über insgesamt mehr als 30 Jahre klinische Erfahrung. Unter seiner Leitung wurde 2009 die fachübergreifende Station 2024 für Internistische Psychosomatik und Psychokardiologie in der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der UMG eingerichtet. Das Konzept der ganzheitlichen Behandlung von Patient*innen mit Herz- und psychischen Erkrankungen war zu damaliger Zeit bundesweit einmalig. Neben der Organdiagnostik werden Testverfahren zur Erfassung psychischer Erkrankungen sowie nicht-invasive psychophysiologische Untersuchungsmethoden eingesetzt. Letztere erlauben eine ausführliche Untersuchung der individuellen Stressanfälligkeit des Herz-Kreislauf-Systems. Abhängig vom Untersuchungsergebnis können je nach Einzelfall unterschiedliche Behandlungswege eingeschlagen werden. 

Pressekontakt:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Leitung Unternehmenskommunikation
Lena Bösch 
Von-Siebold-Str. 3, 37075 Göttingen
Telefon 0551 / 39-61020
Fax 0551 / 39-61023
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