Mit Herz und Hirn gesund ins Alter

Über den Zusammenhang von Herz- und Hirnerkrankungen

Die Menschen in Deutschland werden immer älter. In wenigen Jahren wird jeder Dritte über 60 Jahre alt sein. Durch die zunehmend bessere Behandlung vieler akuter und chronischer Erkrankungen wird auch der Anteil über 80-jähriger Menschen auf über 10% ansteigen. Häufige Erkrankungen wie die koronare Herzkrankheit, der Herzinfarkt, der Schlaganfall und die Demenz haben dabei eine große Bedeutung. Für eine gute Lebensqualität und Zufriedenheit im Alter sind die Gesundheit von Herz und Gehirn wesentliche Zutaten. Wie also können wir hier unsere Fitness bis ins hohe Alter erhalten?

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Herztöne vom 05.12.2020

"Mit Herz und Hirn erfolgreich altern"

Die Risikofaktoren für Herzerkrankungen sind lang bekannt. Die American Heart Association brachte dies zuletzt knackig auf die Formel der „Simple Seven“, der sieben einfachen Regeln zur Herzgesundheit. Diese umfassen:

  1. Nicht-Rauchen
  2. hohen Blutdruck senken
  3. niedriger Cholesterin-Spiegel
  4. normaler Blutzucker-Spiegel
  5. mediterrane und salzarme Ernährung
  6. regelmäßige Bewegung
  7. Vermeiden von Übergewicht

Am Rückgang der Raucher oder auch an einer Zunahme sportlicher Aktivitäten in den letzten 30 Jahren zeigt sich der Erfolg der Aufklärung. Untersuchungen aus Deutschland weisen auch auf eine bessere Einstellung von Blutdruck und Cholesterin seit den 90er Jahren hin. Die Zunahme der Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung spiegelt sich in der Abnahme an Neu-Erkrankungen vieler kardio-vaskulärer Krankheiten in den letzten Jahren wider, auch wenn die Gesamtanzahl bei zunehmender Altersstruktur ansteigt.

Es ist nie zu spät

Diese kardiovaskulären Risikofaktoren haben auch einen Einfluss auf die Entwicklung von Demenzerkrankungen. Eine aktuelle Studie zeigte, dass Menschen, die diese sieben Herz-Kreislauf-Risikofaktoren im Alter von 50 Jahren nicht vermeiden, 25 Jahre später fünfmal häufiger an Demenz erkranken. Andersherum, bei Menschen, die diese Präventionsmaßnahmen im Alltag aktiv umsetzen, reduziert sich das Demenzrisiko im Alter. Die Expertenkommission zur Demenzprävention der Fachzeitschrift „The Lancet“ publizierte 2020 auf Basis aktueller Literatur und Studien eine inzwischen 11 beeinflussbare Risiko-Faktoren für Demenz umfassenden Liste. Von diesen sind fünf auch Herz-Kreislauf-Risikofaktoren: Schädel-Hirn-Trauma, Luftverschmutzung und exzessiver Alkoholkonsum (> 21 Alkoholeinheiten pro Woche), Schwerhörigkeit, niedriger Bildungsstand, Mangel an sozialen Kontakten, Depression, Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht, körperliche Inaktivität und Diabetes. Laut der Expertenkommission könnten 40% aller Demenzerkrankungen dadurch verhindert oder zumindest deutlich hinausgezögert werden. Diese Risikofaktoren können ein ganzes Leben lang beeinflusst werden, um die geistige Leistungsfähigkeit zu erhalten und das Auftreten einer Demenz zu verzögern. Es ist also nie zu spät, mit einer Demenzprävention zu beginnen.

Foto: CDC | Unsplash

Was sind also die gemeinsamen Säulen für erfolgreiches Altern von Herz und Gehirn?

Bezüglich Ernährung sind die Daten zu Herz-Kreislauf- und Gehirn-Erkrankungen sehr ähnlich. Es gibt Hinweise, dass die sogenannte Mittelmeerdiät, bei der viel Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte, Getreideprodukte, Fisch, ungesättigte Fettsäuren und Olivenöl, wenig Fleisch und wenig Alkohol zum Einsatz kommen, protektiv ist. Aus etlichen Beobachtungsstudien wissen wir um diesen Zusammenhang. In einer nicht ganz unumstrittene prospektiven Studie (PREDIMED) wurden die Mediterrane Diät (in einer Gruppe mit einem Liter Olivenöl pro Woche zusätzlich, in der anderen Gruppe zusätzlich mit einer Handvoll Nüsse pro Tag) mit einer Kontrolldiät (mit der Empfehlung auf eine fettarme Ernährung zu achten) verglichen. In den Gruppen mit mediterraner Diät traten 30 Prozent weniger kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall auf. Zudem war in einer Teilstichprobe die Gruppe mit der Mittelmeerdiät besser in den Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsfunktionen. Für eindeutige Empfehlungen zur Demenzprävention ist die Datenlage nicht ausreichend, auch wenn die Mittelmeerdiät als gesundheitsfördernd bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen anerkannt ist.

Runter vom Sofa

Hinsichtlich Bewegung findet man in den Beobachtungsstudien einen Zusammenhang von regelmäßigen Aktivitäten mit einem geringeren Demenzrisiko 25 Jahre später. Insbesondere zeigt sich dies bei Aktivitäten, bei denen man ins Schwitzen kommt, und die mindestens einmal pro Woche im Alter vom 30-60 Jahren durchgeführt werden. Besonders wirksam war dies bei bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Prospektive Studien, bei denen bestimmte Trainingsarten und -dauer mit Kontrollgruppen verglichen wurden, belegen insgesamt geringe, aber zumeist positive Effekte. Erfolgreich waren 1-2 Jahre andauernde Studien mit aeroben Einheiten (das ist Training, währenddessen man sich noch gut unterhalten kann, wie Spazieren, Gehen, langsames Joggen, Radfahren), auch kombiniert mit Krafttraining. Besonders gut waren die Ergebnisse bei über 80-jährigen Menschen.

Raus aus der sozialen Isolation

Sport und körperliche Aktivität sind häufig auch mit sozialer Aktivität verbunden. So kann z.B. Tanzen das Gedächtnis verbessern. Verheiratete Menschen erkranken seltener an einer Demenz als lebenslange Singles. Unabhängig davon wird bei Menschen, die mehr soziale Kontakte im Alter ab 50 Jahren angeben, seltener die Diagnose einer Demenz gestellt. Ein häufiger Risikofaktor für soziale Isolation ist zudem Schwerhörigkeit, welche mit einer Verdopplung des Demenzrisikos einhergeht. Der Einsatz von Hörgeräten weist protektive Effekte auch bezüglich Demenzentwicklung auf.

Foto: Nico Franz | Pixabay

Neugierig bleiben

Gute Bildung im Kindes- und Jugendalter schützt vor Demenz. Aber auch geistige Aktivitäten in der weiteren Lebensspanne wie Reisen, Musizieren, Lesen, Fremdsprachen Lernen sind mit besserer kognitiver Leistungsfähigkeit im Alter assoziiert. In eigenen Untersuchungen konnten wir zeigen, dass wer gerne und viel puzzelt oder Karten- und Brettspiele macht, bessere kognitive Leistung im Alter aufweist. Wir fanden zudem, dass vielseitige Aktivitäten mit besserer kognitiver Leistungsfähigkeit über die Zeit einhergehen. Die Effekte von spezifischen Trainings sind in Studien jedoch eher gering, so dass hier keine konkreten Empfehlungen ausgesprochen werden können.

Foto: Vlad Sargu | Pixabay

Den Lebensstil ändern

In den letzten Jahren wurden zunehmend Studien unternommen, die „an mehreren Schrauben“ drehen, also aktiv gleich in mehreren Bereichen den Lebensstil veränderten. In der „Finnischen Geriatrischen Interventionsstudie“ (FINGER) zur Vorbeugung von Demenz hatten diese Teilnehmer mit bereits bestehendem kardio-vaskulärem Risikoprofil eine umfangreiche Ernährungsberatung, regelmäßige, intensive Sportgruppen und kognitives Training. Daneben wurden sie regelmäßig auf ihre kardiovaskulären Risikofaktoren gecheckt und diese bei Bedarf medizinisch behandelt. Die Teilnehmer zeigten bessere kognitive Leistungsfähigkeit nach zwei Jahren.

Welche Mechanismen diesen nicht-medikamentösen Ansätzen zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Erkrankungen des Gehirns zugrunde liegen, ist kaum verstanden. Neben indirekten Effekten, werden Veränderungen von körpereigenen Substanzen, die bei Aktivierung ausgeschüttet werden, beobachtet. Diese Veränderungen betreffen Entzündungsreaktionen, Stoffwechselveränderungen und oxidativen Stress, aber auch Änderungen des Blutflusses in den Organen. Diese Mechanismen besser zu verstehen, ist eine der zentralen Aufgaben des derzeit im Neubau befindlichen Heart & Brain Centers.

Leitung Geriatrie

Prof. Dr. Christine von Arnim

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