Wenn Lungenhochdruck die Luft zum Atmen nimmt

Pulmonale Hypertonie

Bild: Jörg Rittmeister, Anka Friedrich, CC BY-SA 2.5, Wikimedia Commons

Der menschliche Körper hat zwei hintereinandergeschaltete Blutkreisläufe. Der große Blutkreislauf beginnt in der linken Herzkammer, die das in der Lunge mit Sauerstoff versorgte Blut in die große Körperschlagader (Aorta) pumpt. Die Aorta verzweigt sich auf ihrem Weg in immer kleinere Schlagadern (Arterien), die das Blut in alle Organe des Körpers transportieren. Nach der Abgabe des Sauerstoffs und der Nährstoffe an das Körpergewebe und der Aufnahme von Kohlendioxid und Abfallstoffen wird das sauerstoffarme Blut in den Venen zum rechten Herzvorhof und von dort in die rechte Herzkammer transportiert. Hier beginnt der kleine Kreislauf, der Lungenkreislauf. Er führt das sauerstoffarme Blut von der rechten Herzkammer über die Lungenarterie in die Lunge. Hier erfolgt die Abgabe von Kohlendioxid und die Aufnahme von Sauerstoff. Das sauerstoffreiche Blut fließt nun über die Lungenvenen zurück zum linken Herz. Das Blut wird mit einem gewissen Druck durch die Lungenarterie gepumpt – normalerweise liegt der Wert bei 12-16mmHg. Ist dieser Druck im kleinen Blutkreislauf chronisch erhöht (auf mehr als 25mmHg, nach neueren Daten auf mehr als 20mmHg), wird von einem Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie) gesprochen. Eine pulmonale Hypertonie ist keinesfalls selten, sondern betrifft wahrscheinlich etwa 1 % der globalen Bevölkerung.

5 Gruppen des Lungenhochdrucks

Der Lungenhochdruck kann als eigenständige Erkrankung betrachtet werden oder als Begleiterscheinung einer anderen Grunderkrankung. In den Leitlinien der Europäischen und Deutschen Gesellschaft für Kardiologie werden fünf Gruppen der pulmonalen Hypertonie unterschieden:

Die pulmonale Hypertonie infolge einer Linksherzerkrankung (Gruppe 2) stellt mit einem Anteil von bis zu 50% aller Fälle die häufigste Form des Lungenhochdrucks dar. Sie ist vor allem bei Patient*innen mit einer strukturellen oder funktionellen Erkrankung des linken Herzens zu finden, wie z.B. Herzklappenerkrankungen oder Linksherzinsuffizienz (Links-Herzschwäche). Die zahlenmäßig zweitgrößte Gruppe (ca. 30-45%) bilden Patient*innen mit pulmonaler Hypertonie bei Lungenerkrankungen (Gruppe 3) wie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) oder Lungenfibrose. Die übrigen Formen sind deutlich seltener. Wird die Diagnose einer sogenannten „pulmonal-arteriellen Hypertonie (PAH)“ (Gruppe 1) gestellt, die mit einer Verdickung der Gefäßwände einhergeht, kann die Ursache angeboren oder durch Medikamente verursacht sein. Auch kann die PAH mit anderen Erkrankungen assoziiert sein, zum Beispiel mit Bindegewebserkrankungen, einer HIV-Infektion oder angeborenen Herzfehlern. In einigen Fällen ist die Ursache nicht feststellbar. Der Lungenhochdruck kann auch als Folge einer Lungenembolie auftreten. Dann wird von einer chronisch-thromboembolischen pulmonalen Hypertonie (CTEPH) gesprochen (Gruppe 4). Ursächlich ist eine unzureichende Auflösung der Thromben (Blutgerinnsel) trotz Blutverdünnung mit einer Organisation und Verwachsung der Thromben mit der Gefäßwand. In der Gruppe 5 werden Formen der pulmonalen Hypertonie subsummiert, die in keine der bisher erwähnten Gruppen passen.

Die Diagnostik

Wichtig für den Behandlungserfolg ist eine möglichst frühe Diagnose der Krankheit. Das ist jedoch häufig schwierig, weil die Symptome der pulmonalen Hypertonie sehr unspezifisch sind.

Im Frühstadium verursacht der Lungenhochdruck wenig oder milde Symptome. Erst später treten zunehmend Beschwerden in Erscheinung, zunächst z.B. Atemnot bei Belastung, Ermüdung, dann Schwindel, Brustenge, Herzklopfen, Schwellungen der Knöchel oder Beine.

Das sind allerdings Symptome, die auch zu anderen Erkrankungen passen können. Diese häufigeren Erkrankungen wie Asthma, COPD, Bluthochdruck oder Linksherzerkrankungen sollten vorher ausgeschlossen werden.

Eine der wichtigsten Untersuchungsmethoden ist die Echokardiographie, der Ultraschall des Herzens, mit dem Form und Funktion des Herzens untersucht sowie der Blutdruck im Lungengefäßsystem abgeschätzt werden kann. Weitere Untersuchungen sind ein EKG, Lungenfunktionstest, eine Blutgasanalyse und die Röntgenaufnahmen von Herz und Lunge. Erhärten die Voruntersuchungen den Verdacht auf eine pulmonale Hypertonie bzw. ist eine andere Erkrankung ausgeschlossen, ist zur Diagnosesicherung eine Rechtsherzkatheteruntersuchung erforderlich. Bei dieser wird über ein Blutgefäß, meist über eine Vene am Arm, ein Katheter bis zum rechten Herz vorgeschoben. Mithilfe des Katheters kann der Druck in der Lungenarterie (Pulmonalarterie) gemessen und weitere wichtige Parameter bestimmt werden. Damit gelingt die Eingruppierung in die passende Gruppe der pulmonalen Hypertonie, was für die therapeutischen Optionen wichtig ist. Für einige Formen des Lungenhochdrucks gibt es wirksame Therapieoptionen, die bei anderen Formen wirkungslos sind beziehungsweise nachteilig sein können.

Die Behandlung

Betroffene sollten alle extremen körperlichen Belastungen vermeiden und mit ihrer Ärztin/ ihrem Arzt besprechen, welche Aktivitäten zumutbar sind. Sie sollten aber im Rahmen ihrer Möglichkeiten körperlich aktiv bleiben. Zudem ist es wichtig, möglichst alle Risikofaktoren auszuschalten, die Herz und Lunge weiterschädigen können, z.B. das Rauchen.

Die Therapie im Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen orientiert sich an der Art und dem Schweregrad des Lungenhochdrucks und an den speziellen Erfordernissen der Patient*innen. Für eine ursächliche Therapie des Lungenhochdrucks muss die auslösende Erkrankung der Lunge oder des Herzens bestmöglich therapiert werden. Dies gilt insbesondere für die Gruppen 2 (Linksherzerkrankungen) und 3 (Lungenerkrankungen). Für Patient*innen mit pulmonal arterieller Hypertonie (Gruppe 1) stehen spezifische Medikamente zur Verfügung, die jeweils allein oder als Kombinationstherapie eingesetzt werden. Dem frühen Einsatz der Kombinationstherapie zur Prognoseverbesserung kommt zunehmende Bedeutung zu. Eine Heilung ist dadurch allerdings nicht möglich. Für Patient*innen mit pulmonaler Hypertonie nach Lungenembolie (CTEPH) gilt, dass eine Blutverdünnung lebenslang eingenommen werden muss. Außerdem ist eine spezifische medikamentöse Therapie für diese PH-Form zugelassen. Zudem sollte unbedingt geprüft werden, ob ein operatives oder kathetergestütztes Verfahren zur Entfernung von organisierten Blutgerinnseln infrage kommt. Damit kann im Gegensatz zur medikamentösen Therapie eine Heilung erzielt werden.

Als unterstützende Maßnahmen können die Gabe von Diuretika (Entwässerungsmittel), Sauerstoff bei Sauerstoffmangel, die Behandlung von auftretenden Herzrhythmusstörungen oder der Ausgleich eines bestehenden Eisenmangels erforderlich sein.

Die Behandlung des Lungenhochdrucks sollte in spezialisierten Zentren erfolgen, da dort die Erfahrung vorliegt, um Patient*innen alle nötigen diagnostischen und therapeutischen Optionen anzubieten.

Leiterin des Schwerpunkts Klinische Pneumologie

Dr. med. Cordula Buck

Sekretariat

  • Oberärztin

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