Beruhigt einschlafen

Narkose bei Herzoperationen

Beruhigt einschlafen? Vor einem Eingriff am Herzen? Wie soll das gehen? Das sind möglicherweise die Fragen, die sich als erstes aufdrängen, wenn Sie die Überschrift dieses Artikels lesen.

Eine mögliche Antwort ist die Gegenfrage: Wovor haben Sie Angst? Vor der bestehenden Erkrankung des Herzens, vor den Risiken der Behandlung oder davor nicht mehr aufzuwachen? Die Erkrankung des Herzens soll ja mit der Behandlung deutlich besser gemacht werden und alle behandelnden Ärzte sind darauf bedacht, dass die Risiken der Behandlung deutlich kleiner sind als die Erkrankung selbst. Das Risiko nach einer Narkose nicht mehr aufzuwachen, ist extrem gering.

Das Spektrum von operativen Eingriffen am Herzen ist sehr groß. Da gibt es die sogenannten kleinen Eingriffe, wie zum Beispiel die Implantation eines Herzschrittmachers, oder die sogenannten minimalinvasiven Eingriffe, wie die kathetergestützte Implantation einer biologischen Aortenklappe über die Leistengefäße (TAVI), oder die kathetergestützte Reparatur der Mitralklappe (Mitraclip). Und es gibt die offenen herzchirurgischen Eingriffe mit und ohne Herz-Lungen-Maschine wie z.B. die Bypassoperation, den Aortenklappenersatz oder die Reparatur der Mitralklappe.

Ebenso groß ist auch das Spektrum an Narkoseverfahren, die hier zum Einsatz kommen. Eingriffe wie die Implantation von Herzschrittmachern können in der Regel in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Da hierbei relativ wenig in den Körper eingegriffen wird, ist auch keine erweiterte Überwachung der Herz-Kreislauf Funktion erforderlich. Eine ganz normale Überwachung mit EKG (Überwachung der Herzrhythmus), Pulsoxymetrie (Messung der Sauerstoffsättigung im Blut) und Blutdruckmessung reichen in der Regel völlig aus.

Überwachung des Herz-Kreislauf-Systems

Ganz anders sieht das bei den minimalinvasiven Eingriffen aus. Bei der kathetergestützten Implantation einer biologischen Aortenklappe, die über die Leistengefäße erfolgt, kann der Patient wach bleiben, sediert werden („Dämmerschlaf“) oder in Vollnarkose sein. Aber völlig unabhängig vom gewählten Narkoseverfahren wird erheblich in die Herz-Kreislauf Funktion des Körpers eingegriffen. Deshalb ist hier immer eine erweiterte Überwachung des Herz-Kreislaufsystems erforderlich. Um frühzeitig Probleme erkennen zu können, wird der Blutdruck mithilfe eines Katheters direkt in einer kleinen Schlagader im Arm gemessen.

Einlage eines Katheters zur Messung des. Blutdrucks in der Schlagader. Foto: umg

Über diesen Katheter kann dann der Blutdruck Herzschlag für Herzschlag gemessen werden und jede beginnende Veränderung des Blutdrucks frühzeitig erkannt werden. Zusätzlich erfolgt eine Messung des zentralen Venendrucks über einen Venenkatheter. Mit diesen Messungen kann der Anästhesist dann sehr genau und sehr früh Änderungen der Herz-Kreislauffunktion erkennen und einschätzen – und natürlich darauf reagieren.

Bei den offenen herzchirurgischen Eingriffen, die nur in Vollnarkose durchgeführt werden können, kommen zusätzliche Überwachungsverfahren dazu. Dazu gehört das prozessierte EEG - also die Messung der Gehirnströme - zur Überwachung der Narkosetiefe. Das hilft zu vermeiden, dass die Narkose nicht tief genug ist oder die Narkosemedikamente zu hoch dosiert werden und damit das Kreislaufsystem unnötig belasten. Häufig wird parallel dazu auch die Sauerstoffversorgung des Gehirns mit der sogenannten Nah-Infrarot-Spektroskopie gemessen, um sicher zu stellen, dass das Gehirn während der Operation ausreichend versorgt wird.

Bei manchen Patienten erfolgt auch eine erweiterte Überwachung der Herzkreislauffunktion mit Verfahren zur Messung des Herzzeitvolumens, also der Menge an Blut, die pro Minute vom Herzen durch den Körper gepumpt wird.

Überwachung mittels Ultraschall

Ganz entscheidend ist die Überwachung des Herzens mittels Ultraschall während der ganzen Narkose und Operation. Dieses Verfahren heißt transösophageale Echokardiographie oder kurz TEE. Dazu wird in Narkose eine Ultraschallsonde in die Speiseröhre (den Ösophagus) eingeführt und das Herz in vielen verschiedenen Ebenen dargestellt und untersucht. Mit dieser Methode kann direkt gesehen werden, wie gut das Herz mit Blut gefüllt ist. Das ermöglicht den Anästhesist*innen z.B. zu sehen, wenn das Herz relativ „leer“ ist und führt dazu, dass eine Flüssigkeitsgabe erfolgt, ehe der Blutdruck abfällt. Es kann auch direkt gesehen werden, wie gut das Herz pumpt.Das TEE-Verfahren ist extrem hilfreich und informativ, erfordert eine große Erfahrung der Untersucher bei der Erstellung und der Beurteilung der Bilder. Dazu stehen in der Klinik für Anästhesiologie der UMG neun speziell ausgebildete und zertifizierte Anästhesisten zur Verfügung.

PD Dr. Ivo Brandes, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, bei der Durchführung einer Ultraschalluntersuchung des Herzens vor einer Herzoperation. Foto: umg

Mit der TEE kann auch noch einmal die der Herzerkrankung zu Grunde liegende Störung gesehen und beurteilt werden. Dabei zeigt sich manchmal eine Verbesserung der Herzfunktion, insbesondere wenn die letzte Untersuchung noch während eines akuten Ereignisses (wie einem Herzinfarkt) durchgeführt wurde. Manchmal zeigt sich aber auch eine Verschlechterung, die in den letzten Wochen eingetreten ist. Auch dies ist eine wichtige Information, da dann das weitere Vorgehen nach der momentan bestehenden Situation geplant werden kann und muss. In seltenen Fällen zeigen sich auch ganz neue und unerwartete Befunde, wie z.B. ein gutartiger Tumor im linken Vorhof des Herzens. Dieser kann dann in derselben Operation entfernt werden, bevor Schaden dadurch entsteht.

Die direkte Beurteilung des Herzens mit dem Ultraschall erlaubt zudem die Planung der Herz-Kreislauftherapie direkt nach der Operation, wie z.B. den Einsatz spezieller Medikamente. Die Ultraschalluntersuchung hilft bei der Beurteilung, ob der Patient nach der Operation Flüssigkeit benötigt oder ob die Pumpfunktion des Herzens medikamentös unterstützt werden muss.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Ultraschalluntersuchung ist die direkte Beurteilung des Operationsergebnisses noch im OP-Saal. Funktioniert die neu implantierte Herzklappe? War die Reparatur der Mitralklappe erfolgreich? Dies sind wichtige Informationen für das behandelnde Team, da somit ein optimales Ergebnis noch in derselben Operation erreicht werden kann.

Alles in allem sind Eingriffe am Herzen mit den modernen Überwachungs- und Narkoseverfahren sehr sicher geworden. Die gemeinsame Arbeit im Behandlungsteam hat das Ziel, das bestes Ergebnis für den Patienten zu erreichen. Dafür arbeiten Kardiologen, Herzchirurgen und Anästhesisten im Herzzentrum der UMG jeden Tag zusammen. Deshalb können Sie bei Narkoseeinleitung auch beruhigt einschlafen.

Arbeitsgruppenleiter

Prof. Dr. Anselm Bräuer, DEAA

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